Dresden - Kapstadt per Motorrad

Do

15

Okt

2009

Syrien - wir sind im Orient !

So liebe Gemeinde,wir sind jetzt in Damaskus, der Haupstadt von Syrien. Mich traf ja fast der Schlag, als ich sah, dass der Besucherzaehler nun schon bei ueber 1500 steht - echt unglaublich. Ich merke nun aber auch zunehmend, dass noch ne Menge an Problemen kommen werden und diese staendige Nomadenleben auch irgendwo stressig sein kann. Leicht ist anders und das, obwohl bisher alles recht gut lief und wir auch oft in kleinen Hotels unterkommen koennen.

Also nach dem Tag mit dem Bikecp aus der Stadt Bolu nicht Belu wie ich versehentlich schrieb ( ich weiss leider oft nicht wo wir gerade sind und welcher Tag ist ) ging es ins tuerkkische Gebirge bzw. Hochplateau auf Nebenstrasse in Richtung Ankara der Hauptsadt der TR. Die Fahrt dahin war grandios, kleinste Doerchen, gewundene Landtstrassen, fast kein Verkehr und wie immer tollstes Wetter. In Ankara war dann wieder der Teufel los ( ich hasse nun zunhemend Grossstaedte ) doch irgendwie schafften wir ne gescheite Platzrunde und fuhren dann suedlich aus der Stadt heraus in Richtung eines Salzsees, welcher groesser wie der Balaton sein sollte. Als wir dann da waren, galt es nur noch ne ueble Rampe von der Strasse herunter auf den Salz-Sandboden zu kommen, ich machte den Anfang und trotz Gepaeck etc. klappte es ganz gut. Es lies sich auch super auf dem See fahren, doch als ich zruecksah standen bei Biggi ploetzlich zwei weitere Enduros. Na sowas, also wieder zurueck und mit den beiden Maenner, welche dazu gehorten gekloent. Einer kam sogar aus Struppen bei Dresden. Die beiden fahren auch nach Kapstadt ( faehrt denn da heut jeder hin ? ) aber dies dann aber immer in kleineren Etappen, aha. Kurz Fotos gemacht und Gute Fahrt gewuenscht, denn wir beide wollten ja noch mal richtig auf dem Salzsee die Sau rauslassen. Dies taten wir dann auch und es war unvergesslich, alles glatt und man denkt, man kommt nicht von der Stelle, da alles gleich ausschaut. Nun ja, wieder auf die Landstrasse und auf der Fahrt in die naechste Stadt trafen wir unsere beiden Biker wieder. Somit wurde dann gemeinsam ein Hotel gesucht und auch gleich gefunden ( wieder mit der Hilfe eines der vielen Fremden, die einen staendig ansprechen und Hilfe anbieten ). Dann wieder Labern, Essen und Webcafe - Feierabend.

Next day, Fahrt bis zum Mittelmehr, unterwegs an nem Truckservice gehalten da ich meine Landerkennzeichensammlung auf dem rechten Koffer noch mit TR vervollstaendigen wollte. Leider gab es nur Blechschilder, die aber gleich in Massen. Der freundliche Mitarbeiter kannt aber wieder jemanden, wlelcher nen Plotter hatte und damit auch gut umgehen konnte. Daher war das TR sowie auch gleich - vorgreifend - das SYR Schild ruckzuck ausgedruckt und aufgeklebt. Da ich vor der Abfahrt daheim die mir genannten 36 Euro in nem Werbebuero in Dresden West nich fuer nen 40 cm grossen bikecop.de Aufkleber ausgeben wollte und darauf auch noch 2 Tage warten wollte, ergriff ich gleich die Gelegenheit, schildere ihm mit Haenden und Fuessen sowie meiner Visitenkarte das Problem und drei Min. spaeter war ein schicker weisser www.bikecop.de Aufkleber auf dem linken Koffer - Super Sache, dann gabs noch fuer beide Bikes rote Reflexaufkleber an die Koffer und als ich bezahlen wollte war der gute Mann fast veraegert und redete immer von Freundschaft Tuerkei und Deutschland - unglaublich.

Dann ging die Fahrt weiter ans Meer und an haesslichen Industriegebieten in Richtung Atakai weiter. Die letzten 40 km waren wieder Landstrasse im dunklen mit Unmengen von LKW, von denen der eine oder andere hinten auch mal ganz dunkel d.h. ohne Licht o.a. war. Echt gefaherlich, es interessiert hier aber offenbar auch keinen. In der Stadt wurden wir wieder von nem selbsausgesuchten Fuerher zu nem kleinen Hotel gelotst und verbrachten den Abend klassisch mit Essen und Webcafe. Beim Essen sah ich, wie ein Moped mit 4 Leuten und alle ohne Heme drauf nen Streifenwagen im Bussgeldbereich vorbeihaemmerte, aber es folgte keinerlei Reaktion ?? Ich muss wohl noch ruhiger werden.

Am naechsten Tag schauten wir uns die Stadt und den Markt an um dann noch zur beruehmten 2000 Jahre alten Kirche zu fahren, leider war dort grad Mitagspause, so dass wir nur von draussen paar Bilder machen konnten und dann gleich weiter nach Syrien fuhren. Jetzt wurde es schon spannender, die Landschaft wuestenaehnlicher, flacher und die Hitze fast unertraeglich. Das Grenzgebiet war heftig, das war ja mal wenigsten ne Grenze wie sie im Buche steht - Doppelstacheldraht ueber mehrere, grosse Zaune, ueberall Beobaachtungsposten und MG-Nester ... Die liegen da in voller Sonne und warten, tja auf wen wohl ?? Irgendwann kam dann auch mal der Uebergang, aus der TR raus ging es in ca. 20 min - das uebliche wichtige Getue halt. Wir waehnten uns schon fast in Syrien, da es ca. 2 Km ins nichts ging und auch seitlich kaum noch MG-Nester zu sehen waren, als dann doch noch der Syrische Grenzuebergang kam - hier stand erstmal alles und diverse Uniformtypen sassen gelengweilt im Schatten. Ein deutschsprechender Autoschieber sprach uns an und meinte, dies sind hier alles Verbrecher und wollen nur Schmiergeld - Okay ...

Einfach so zum Checkpoint durchfahren war natuerlich nicht moeglich, das Problem sind die Motorraeder ... Also in eine bahnhofsgrosse Halle rein wo hunderte genervte LKW fahrer mit viel Papier hin und herliefen und standig schimpften. Ich wurde von einem erstmal zur Kasse geschickt, konnte dort aber meinen zweiten Platz nicht gegen einen Wust von LKW Fahrern verteidigen und fand  mich nach 3 min auf Platz 10 wieder - ich bin eben zu gutmuetig ... Irgendwoher kam dann eine rettende, englischsprechende Stimme ( ein Touristboarderservice ) und dieser gute Mann war dafuer vom Staat bezahlt, uns die Einreise zu erleichtern. Dabei hatten wir das syrische Visa schon im Pas, es ging aber wie gesagt um die Motorraeder. Es passte auf, dass uns die Stempel- und Papierknechte nicht zuviel Geld abnahmen und steurte unsere Wege. Kurz und gut, nach knapp 2 Stunden waren wir am letzten Checkpoint, wo etliche genervte und grimmig schauende Militaers dann in einem Akt unendlicher Guete und Grosszuegigkeit den Schlagbaum hochhoben und wir in Syrien einreisen durften. Das kann ja heiter werden dachte ich, hier kommen wir doch nie wieder raus ... Egal die zur ersten Tankstelle, die Yamse war fast leer und die 80 Cent Bruehe aus ner erbaermlich aussehenden Vorkriegstankstelle einlaufen lassen, grosser aber nicht vermeidbarer Fehler : seitdem geht die gute Yamse gelegentlich aus, Verbrauch deutlich mehr und zieht nicht richtig durch - aber in Syrien soll der Sprit wohl der schlechteste fast weltweit sein, es gibt daher auch an den groesseren Tankstellen ( die aber genauso arm ausschauen ) immer Oktanbooster zu kaufen - nicht ohne Grund. Syrien selbst ist ein gewaltiger Quantensprung nach unten im Vgl. zur Turkei, alles aermer, einfacher und chaotischer. Was hier an ueberladenen LKWs rumfaehrt, leider kann ich nicht immer alles gleich fotografieren, aber es ist verwunderlich, dass nicht jeden Tag hier groessere Verkehrsdramen stattfinden. Wir sind dann nach Aleppo reingefahren, die zweitgroesste Stadt ( geschaetzt 1-2 Mill EW ), dort war auch wieder das blanke Chaos, jeder qm ist mit nem PKW belegt, der uebergang zwischen fliessendem und stehendem Verkehr ist fliessend. Als ich verzweifelt, gefuehrt von zwei Motorradfans ein Hotel zu Fuss suchte und Biggi derweil wieder eine paffte, kamen grad drei Dresdner bei ihr vorbei und sprachen sie - leider mussten sie weiter und wir konnten leider nicht unsere saechische Mundart pflegen. Ich fand dann ein Minihotel, mit nem sehr gewoehnungsbeduerftigen Zimmer  u.a. Aussenhocklo und ein Fenster zum Treppengang, so dass jeder hineinschauen konnte - naja fuer 10 Eus war es okay und es war sonst nirgend was anderes frei. Der Clou war unser beiden Bikes durften ins Hotel an die Reception gestellt werden, die war ein kleiner Kraftakt, aber irendwann standen sie drin. In der Hotelaula lernten wir dann u.a. noch Leute aus dem Irak und nen Zoellnerchef aus Damsakus kennen, dem schenkte ich , da er gut englisch sprach und gebildet wirkte, eines meiner vielen Polizeiaermelabzeichen. Zu meiner Verwunderung setzte er voller Begeisterung die dt. Polizei mit der Gestapo gleich, es gelang uns auch nicht so recht ihm davon zu ueberzeugen, dass die Gestapo erstens schon lange nicht mehr existiert und zweitens fast alles schlecht war, was diese angestellt hatte. Nun ja, keine Ahnung woher er sein Wissen hat.

Dann lud uns der Hotelchef mit seiner Freundin noch zur Stadtbesichtigung und zum edlen Essen ein - es war echt nett und wir haben nun wohl einen Freund mehr.

Morgens ging es dann noch durch die historische Altstadt und Besichtung der beruehmenen Zitadelle, war alles wunderschoen. Zurueck zum Hotel liefen wir durch das Haendler und Handwerkerviertel, wo wir dann leider voellig die Orientierung verloren und da ich mein GPS wieder mal nicht dabei hatte, fanden wir das Hotel nicht mehr - wir hatten zwar noch ne Visitenkarte davon aber jeder den wir fragten schickte uns in eine andere Richtung. Irgendwann kannte aber einer die Strasse wirklich und wir fanden das Hotel. Die Polizei war hier leider auch keine Hilfe, die wirkten nicht kompetend und motiviert.

So kamen wir leider erst recht spaet aus Aleppo heraus und fuhren auf der Landtstrase Richtung Damaskus, allein schon was man da alles so sieht, koennte Buecher fuellen.

Irgendwann bogen wir nach links ab und landeten in einem kleinen Dorf. Wir fragten die Maenner der oertlichen Teerunde nach nem Platz fuer zwei Zelte, sofort sprang einer junger Mann auf und fuehrte uns zu seinem kleinen Haus, dort sollten wie die Bikes in seinem Garten abstellen und bei ihm im Haus schlafen. Widerstand zwecklos, er winkte immer frendlich und sagte staendig welcome, welcome ... Das halbe Dorf stand derweil vor seinem Haus und wir wurden drin bewirtet nach allen Regeln der syrischen Kunst. Dann viel Tee und der Versuch einer Konversation, er war Lehrer fuer arabisch, hatte zwei Toechter usw.

Dann durfte ich wieder mal seit langem der Stimmer meiner Freundin lauschen, sie klang weit weg und das Gespraech kam fue 3 min 8 Euro  -  naja es tat aber gut.

Spaeter spielte ich dann mit den Kindern vom Dorf Fussball im totalen Staub, ich schwitzte, gab alles, wir gewannen und es war einfach toll. Biggi sass derweil bei den ganzen verhuehlten Frauen und erzaehlte von ^unserer Welt^.

Voellig breit, dreckig und verschwitzt ging dann dieser Tag fuer mich zu Ende.

Am heutigen Tag sind wir dann frueh aus dem Dorf raus, wobei wieder ein Schwarm Jungs in Schuluniform angerannt kam und laustark ^Thomas, Thomas^ durch das Dorf schrie - naja solange sie nicht Papa, Papa rufen... Dann ging es weiter ueber recht gute Landstrassen nach Damaskus, unterwegs noch ne Pizza reingepfiffen und etwas Oktanbooster in den Tank geschuetet, ich glaube es ist dadurch etwas besser fuer den Motor. Damaskus war wieder Verkehrschaos pur, hier stehen jede Menge Verkehrsknechte an den fettesten Kreuzungen und winken die im Stau stehenden Fahrzeuge, fuer mich voellig sinnos, hin und her/ Wir haben die voellig ignoriert und waren immer schneller wie der Rest. Dann noch nen Hotel von nem Fuehrer zeigen lassen, welcher auch noch Provison haben wollte und den wahren Preis erst nach dem Zimmerbesichtigen nannte, naja egal - endlich mal duschen und wieder rasieren, ich sehe ja schon fast aus wie der Joe auf Arbeit... :-)))

Jetzt sind wir mit nem netten Studenten bzw. z.Zt. Soldat und dessen Freudin zur Stadtbesichtigung und zum Essen verabredet. Und seit fast zwei Stunden sitze ich nun schon vorm PC, das wird wohl in Afrika deutlich weniger werden.

 

So, Fazit der letzten 5 Tage : die Motorradsachen sind genau fuer die Hitze gemacht, aber nun schon voellig versifft, der Motor leidet unter dem schlechten Benzin, es gibt keine Speedcontrols in SYR, jeder winkt uns zu und will uns helfen, ich esse hier Sachen, die ich daheim nie gegessen haette, ich kann keine Hupen mehr hoeren, den Weltreisekameraden mit der gleichen Yamse wie ich, haben wir leider schon irgendwie ueberholt ( www.fernwehge.de ), zwei Tschechen sind aber fast in unserer Hoehe, Nassrasieren ist immer noch Mist, in nem PKW passen durchaus 8 Leute rein ( wenn vorn drei sitzen ), durch die staendigen Gebetsrufe kann man nicht einmal durchschlafen und wir haben immer ein Zeitproblem ...

 

Gruss in die verschneite Heimat ( ich fasse es nicht, echt schon Schnee ... ), morgen gehts nach Jordanien - bye, bye

 

Thomas

Trackback-Url für diesen Artikel


Trackbacks / Pingbacks: 0

Kommentar schreiben

9 Kommentare

  • #1

    steffen (Donnerstag, 15 Oktober 2009 19:17)

    schön wieder was zu lesen...der rest ist in arbeit

  • #2

    Triemser (Donnerstag, 15 Oktober 2009 21:00)

    daumhoch...
    Deine Abenteuerlektüre vetreibt mir bissl die verregnete Nacht...
    bis die Tage...

  • #3

    Andreas alias Vopo (Donnerstag, 15 Oktober 2009 22:33)

    da wird man ja echt neidig, wenn man das liest. Du solltest Buchautor werden, echt ammüsant und fesselnd. Ich wünsch dir für die weitere Reise viel Glück, bleib gesund und nimm soviel mit wie du kannst. Wir versuchen hier zu Hause den Laden am Laufen zu halten. Bis die Tage... Vopo

  • #4

    Peg (Donnerstag, 15 Oktober 2009 22:48)

    kaum von der Arbeit rein, liest man diese tolle Lektüre:-) echt spannend!!

    Gute Fahrt die nächsten Tag.....

  • #5

    Stephan Küppers (Freitag, 16 Oktober 2009 17:37)

    Hallo Thomas,
    bin immer noch in der Türkei. Sitze im Moment mitten in Göreme in Kappadokien. Werde hier noch ein paar Tage bleiben um ein paar Bekannte aus Istanbul wiederzusehen. Hoffe das ich auch noch so ein Glück mit dem Wetter habe wie ihr. Laßt es euch gut gehen. Hoffe das wir uns doch noch einmal treffen! Sonst muß ich halt auf dem Rückweg mal nach Dresden kommen ;-)
    Grüße
    Stephan
    PS: Die Tenere läuft und ich habe immer noch die Serienreifen drauf.

  • #6

    M. Arnswald (Sonntag, 18 Oktober 2009 09:43)

    Hi Thomas,
    ich verfolge mit großem Interesse euer Abenteuer! Immer wieder schön, wenn es etwas neues zum Lesen gibt - mach weiter so, damit wir alle was davon haben. Ansonsten wünsche ich euch alles Gute für die restlichen paar km!!! Haltet durch, verdrängt die Strapazen und genießt die schönen Seiten des Nomadenlebens...
    Gruß Micha

  • #7

    Gokhan Ozdemir (Montag, 19 Oktober 2009 09:34)

    Hi Thomas,
    We met while you were leaving Ankara, I was driving a black Honda Civic. Unfortunately I dont understand German but I saw the beautiful pictures and I wanted to wish you a good trip.
    Best wishes and luck.

  • #8

    Carsten (Dienstag, 20 Oktober 2009 00:36)

    Hab gehört Ägypten ist schon in Euren Händen.Kannst ja auch dann Skifahren nur im Wüstensand.Hab am Sa schon die ersten Sowboarder in O-Thal gesehen, da lag so 40 cm Schnee, verweht bis zu nem Meter..Viel Glück und immer "festen" unter den Reifen....Gruß Carsten

  • #9

    Andreas (Mittwoch, 04 November 2009 17:45)

    Hi Thomas
    Wir haben uns am Anfang deiner Reise in Ungarn zum Vignetten kaufen getroffen. Wir waren mit `nem Schwertransport unterwegs. Komme nun endlich mal dazu deine Reiselektüre zu lesen. Spannend und sehr interesant. Wünsche euch noch viel Spaß auf eurer Reise.

  • loading
Free Hit Counters

Mi

10

Mär

2010

Wieder daheim : Frost, Kälte, Dunkelheit ...

So, nachdem ich meine tschechischen Freunde Ende Januar mit nem rechtsgelenkten Japaner ( oh Gott ! ) zum Flughafen gefahren hatte und herzlich verabschiedete, kümmerte ich mich dann um den ganzen Zoll- und Verladekram für die bereits in drei großen Holzkisten verpackten Motorräder. Insgesamt hatte ich neun Tage Zeit, bis mein Flieger gen Germny fliegen sollte. Sportler wie ich bin, wurde die Zeit natürlich sinnvoll ( nach meinen bescheidenen Maßstäben ) genutzt und mit nem recht schweren Leihrennrad ging es fast jeden Tag, neben dem Weg zur Spedition und dem Zollamt, in alle Himmelsrichtungen ( okay, außer Westen, denn da war der Atlantik ). Nach über 1000 Km und mit den besten Trainingsstreifen sowie dem schlimmsten Sonnenbrand den ich je hatte, gab ich es dann schweren Herzens am 4.02.10 wieder bei Cycleteknic Tableview ab und nen Tag später wurde ich durch Raum und Zeit gebeamt ... Nach unglaublich kurzen ( in Anbetracht des ungleich längeren Hinweges ) 11 Stunden Flug bis München, 1,5 h Flug bis Berlin und dann nochmal 2 h Zug bis Dresden wurde ich gegen Mitternacht bei Frost am Dresdner Hauptbahnhof freudig von Freundin, Famile und einigen Freunden empfangen - Dank auf diesem Weg an alle die da waren und danke Anja für die langen Hosen sowie der dicken Jacke ...

Nach einer Woche Urlaub mit meiner Freundin ging es dann am 13.02.10 gleich wieder auf Arbeit recht doll zur Sache - links, mitte und rechts demonstriert, blockiert und ( manchmal auch randaliert ) in Dresden und wir mitten drin.

Vor lauter Erzählen von meiner Reise komme ich auf Arbeit ständig in Zeitnot und nun wurde angeregt, einen größeren Vortrag für alle Kollegen welche es interessiert durchzuführen.

Weil mich immer alle Fragen, wieviel denn alles gekostet hat, hier eine kleine Auflistung : 

die Kosten im Vorfeld ( Ausrüstung, Impfungen, Visa etc. ) waren ca. 1000 Euro plus Zeit und Nerve,

die Kreditkarten- sowie EC-Cardabrechnung ergab : 5400 Euro allein unterwegs, plus 370 Euro Rückflug plus Bahn, 600 Euro Motorradtransport mit Schiff bis Prag

macht also 6400 Euro, plus 1000 Euro welche in die Yamse gesteckt werden müssen, sowie 1500 Euro Wertverlust, 350 Euro für diverse Krankenversichungen.

das ganze dann durch 120 Tage macht : 53 Euro am Tag, jeder einfache Türkeiurlaub dürfte also ( pro Tag ) wesentlich teurer sein.

Davon entfallen im Einzelnen :

gefahren Strecke : 25312 Km, Verbrauch 4,38 Liter/100 Km = 1108 Liter, Preis im Schnitt 80 cent = rund 900 Euro für Sprit

für diverse Visa an der Grenze ca. 300 Euro, allein die Einreise mit allem Papieren nach Ägypten 180 Euro, Internet und Telefonie zus. ca. 250 Euro, diverse Nationalparks ca. 500 Euro, neuer Fotoapparat in Luxor 120 Euro, Mietmotorräder in Sansibar 3 Tage für zus. 50 Euro, Fähre nach Sansibar 40 Euro, 1000 Euro wurden allein in Südafrika ausgegeben - ist halt fast wie Europa dort, die Zahl der Hotelübernachtungen war in Europa recht hoch und ging dann ab Sudan gegen null, dafür immer mehr kostenloses Outdoorcampen.

Die längste Tagesetappe : Tag eins 400 Km mit dem Auto nach Berlin um das Sudanvisa persönlich abzuholen, dann mit dem Motorrad exakt 500 Km Autobahn durch CZ nach SK Bratislava - sowie irgendwo in Äthiopien genau 8 h ( reine Fahrzeit ) ist das Motorrad gerollt über 400 Km, fast alles elende Piste.

Die schwerste Etappe : Fahrt über die Grenze von Tansania nach Mosambik, viel Tiefsand, Sonne im Zenit, nix gescheites zu Essen ...

Die höchste Temperatur : 49 Grad im Schatten, Wüstenstrasse / Piste im Ostsudan

Die tiefste Temperatur : 0 Grad auf 3600 m Höhe in Ähtiopien Simmien Mountains ( und mir ging es echt elend )

Das beste Essen : Forraskut Südostungarn, ich habe das letzte Drittel nicht geschafft - unglaublich, dort muss ich wieder mal hin !!

Das schlechteste : "Huhn" am Äquator in Kenia - was war das denn wirklich ?

Die nettesten Leute : Araber ( in Syrien, Jordanien, Sudan ), sowie in Ungarn, Türkei, und die weissen in Südafrika ( ja Peter ich weiss ... )

Die unangenehmsten : ( jetzt bekomme ich wieder Ärger von dem Peter ) teilweise Ägypten ( Touristengegenden ), Tansania ( speziell Daressalam ), Äthiopien ( nicht auf dem Lande ) - naja man wird eben oft abgezogen, reingelegt und betrogen sowie permanent angebettel. Aber genauso oft gibt es auch postive Erlebnisse. Ich habe mich oft gefragt, was denn wohl vor 100 Jahren war, als noch keine Hilfslieferungen nach Afrika kamen ( wie haben die Völker dann dort überlebt ?) und zu welchem Zweck werden die eigentlich gemacht - denn die Leute gewöhnen sich daran und oft gibt es heftige Auseinandersetzungen um die Hilfslieferungen ? Wem hilft es, wenn wir tonnenweise getragen Sachen nach Afrika "spenden" ( um mal das wegwerfen in den Kleidersammler so zu nennen ), dann daran einige wenige gewaltig verdienen und zuletzt die heimische Bekleidungsindustrie keine Chance hat, sich zu entwickeln. Die fettesten Autos und Leute waren übrigens oftmals die Fahrzeuge und Mitarbeiter - oder soll ich Absahner schreiben -  diverser Hilfsorganisationen, dies mal nur am Rande.

Nun Gut, das auch mir eigene Gefühl für Demut und Dankbarkeit - und dies habe ich ohne Zweifel auch überdurchschnittlich und bin mit wenigen Dingen glücklich und nicht materiell eingestellt ( Autos, Luxus, Komfort sind mir echt voll egal, z.B. heute früh wieder bei minus 12 Grad 12 Km mit dem Rad auf Arbeit gefahren ... das gabs in Afrika so nicht ) - ja Gefühl für Demut und Dankbarkeit geht dann leider nach einigen Wochen des Daueranbettelns bei 40 Grad im Schatten leicht verloren, trotzdem habe ich nie vergessen, dass nur ganz wenige Menschen weltweit die Möglichkeit haben, Reisen wie diese zu realisieren. Und leider hatte ich nur 2 x 40 Liter Alukoffer ( die Kritiker sollen erstmal damit auf nem Motorrad unter diesen Bedingungen durch die Welt fahren ) mit und keinen 40 Tonner mit Hilfsgütern. Bis Tansania hatte ich mir im Tagebuch - nett und hilfbereit wie ich ja eigentlich immer bin - diverse Adressen von Leuten notiert, denen ich dann von D aus diverse Sachen schicken wollte, da wir bei Ihnen schlafen konnten oder diese uns sonstwie positiv aufgefallen waren. Leider wurde mir dies dann auch alles gestohlen - nochmal herzlichen Dank dafür an den xxx Täter. Auch kaufte ich oft in Städten mehr essen als nötig um es dann auf dem Lande den Kindern zu verschenken, aber der Effekt ist sicher gleich null - von daher sinnlos. Es beruhigt wohl nur das schlechte Gewissen.

Nun ja man könnte ewig darüber philosophieren, es wäre auch echt nett, wenn meine "Kritiker" - welche nur über die Kommentarleiste schreiben, mir mal persönlich schreiben würden.

 

Letzten Freitag habe ich die Yamaha aus Prag geholt. Es gab ein Wiedersehen mit meinen CZ Freunden und da das Wetter so extrem winterlich war ( minus 8 Grad und Schneesturm ) musste die letzte Fahrt der Yamse ins deutsche Heimatland mit dem Hänger vom Polo-Shop erfolgen.

 

Ich denke dies war der letzte Eintrag auf meiner Seite, ich danke allen Lesern, meiner Freundin Anja fürs durchhalten ohne mich, Birgit meiner Reisepartnerin bis Daressalam ( ich hatte und habe immer Respekt vor ihrer Leistung als Frau ... ), meinen CZ Freunden Radek, David sowie später dann noch Silva der Freundin vom Radek, dem Freistaat Sachsen weil nicht in allen Berufen Reisen wie diese möglich sind, dem Hersteller Yamaha für den Bau eines absoluten Adventure Reisebikes, meinen Eltern dafür dass ich so bin wie ich bin, der Mopo DD für den Bericht, meinem Schutzengel, der Fa. Held und Salewa - top Ware, keine Frage !, Roland Kaiser - dessen Lieder hörte ich oft abends im MP3 Player - es war der Klang der Heimat, sowie stellvertretend für hunderte nette Kontakte wenigstens aus jedem Land einen oder zwei : der freundliche Tankstellenmitarbeiter in Bratislava der mit den Weg zum Hostel zeigte, der LKW Fahrer mit der Landkarte in HU; die netten Polizeibeamten in Rumänien auf der Suche nach dem Hotel, den jungen Leuten aus dem alten fünfer BMW welche uns in Bulgarien ( Vidin ) den Weg zum Hotel zeigten, die Tankstellenbetreiberin in GR wo wie schlafen durften, dem netten Motorradpolizisten in Bolu TR, dem Hotelchef in Alleppo SYR, unserer Gastgeberfamilie bei Amman JOR, der Lehrer in New Valley und der Hotelmanager in Assuan Ägypten, dem Busfahrer in der sudanischen Wüste bei meinem Platten, dem Scout in den Simmien Mountains, ein zäher Hund !! Ähtiopien, der Lodgebetreiber am Fuße des Mt. Kenia  - danke für den tollen Preis nach Biggis Vorarbeit; dem netten Pfarrer aus Leipzig in Tansania, dem Enduroverleih für den Toppreis in Sansibar, der Mitarbeiterin im Fahrzeugteilehandel bei Pemba Mosambik - vier Seiten nur über mich geschrieben - unfassbar, Brad aus Kapstadt für die Hilfe in Simbabwe im Nationalpark - Zufälle gibts ..., und in Südafrika Dank an Yamaha Durban, dem Lemontree Backpacker - ganz verrückte Jungs und Schicksale sowie den Erbauern des Chapmans Peak, wo ich mit dem Rennrad mehrfach darübergebügelt bin und nun bald auch Lance Armstrong dies tun wird.

 

Das wars !! Auf ein neues Abenteuer irgendwann, erstmal haben mich andere Aufgaben und Verpflichtungen fest im Griff ...

 

Es war schön, jederzeit wieder.

 

Thomas Kiraly

 

 

 

mehr lesen 1 Kommentare

Mi

20

Jan

2010

Südafrika - I did it !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Cape Agulhas - weiter nach unten geht nicht mit nem Landfahrzeug Cape Agulhas - weiter nach unten geht nicht mit nem Landfahrzeug
mehr lesen 38 Kommentare

Di

05

Jan

2010

Simbabwe - man kann durchaus mit den Crocs baden ...

mehr lesen 11 Kommentare

Do

24

Dez

2009

Dank an alle, frohes Fest von hier aus - Pemba Mosambik

mehr lesen 20 Kommentare