Nach endlosen Tagen ohne Webcafe, habe ich nun mal wieder ein Internetcafe entdeckt.
Wir sind heute nach einer irrsinnigen Hitzeetappe bei 39 Grad im nie vorhandenen Schatten durch die Lybisch & Aegyptische Wueste ueber 300 Km nach Luxor am Nil gefahren. Hier ist wieder alles
sehr touristisch, sowohl das allgemeine Angebot als leider auch die Preise. Naja es haelt sich aber immer noch in Grenzen.
Wir sind nun also vor ein paar Tagen den sogenannten Mosesberg bzw. Mount Sinai im Sinai hoch. Der ist 2300 m hoch und man darf ohne Fuehrer nur bis zu dem sog. St. Katherinenkloster. Mich und
Biggi lockten aber die Hoehen des Berges, also wurden die 85 EGP investiert = 10 Euro und auf ging es. Der Fuehrer war nen Kopf kleiner wie ich, extrem duenn und hatte nichts ausser seine
aegyptische Kutte bei sich. Aber er war fitt und fuehrte uns auf dem kuerzesten Treppenweg nach oben. Irgendwann, waehrend wir wieder auf Biggi warteten, meinte er, ich soll allein weiterlaufen,
es gibt eh nur einen Weg nach oben. Also ging es speedmaessig nach oben weiter, damit mein Kreislauf endlich mal wieder in Schwung kommt. Oben bot sich ne grandiose Aussicht und man spuerte
foermlich die Erhabenheit des Berges, an dem Moses durch Gott die 10 Gebote gezeigt wurden sein sollen.
Bergab ging es den nen breiteren Touriweg herunter, auf dem dicke, weisse Touristen auf Kamelen und Eseln bis fast den ganzen Brg hinauf gebuckelt wurden, naja wer es schoen findet ...
Am naechsten fuhren wir dann aus dem Sinaigebirge heraus in Richtung des Roten Meeres bzw. dann weiter, bei extremen Gegenwind, zum Glueck bin ich doch nicht mit dem Rad gefahren, und irgendwann
sahen wir dann links einen gewaltigen Stau. Nein nicht von Autos, sondern von Megaschiffen, die alle durch den Suezkanal einige Wochen Zeit sparen wollten. Es war wieder sehr beeindruckend fuer
mich, wollte ich doch als Kind immer zur See fahren und nun die ganzen Schiffe auf einem Haufen ...
Dann endlich ging es durch nen Megatunnel unter dem Kanal durch, mit Faehre waere es auch gegangen, habe ich aber erst spaeter erfahren, Schade.
Direkt an den Kanal heran kam man aber, ohne erschossen zu werden, dann nicht mehr, da die letzten 100 m bis zum Ufer auf der gesamten Kanalstrecke beidseitig von Militaer mit Stand MG gesichert
waren. Die Jungs waren zwar locker drauf aber wehe man holte nen Fotoaparat raus oder wollte durch den Zaun, da wurden die Minen mit einem Schlag sehr finster. Daher konnte ich nur so aus der
Huefte heraus paar Pics machen.
Da wir gut in der Zeit lagen, wollten wir nun gleich bis kurz vor Kairo fahren und dort irgendwo im Dreck schlafen. Leider ging das nicht, da ca. 70 Km vor Kairo nen endloser Betonzaun stand und
alles Militaergelaende war, auf der Karte war davon nix zu sehen, logisch. Also dann doch noch rein nach Kairo. Obwohl man ja schon gewarnt war von dem Verkehrsverhalten der dortigen
Fahrzeugfuehrer, sprengte es wieder einmal alle Vorstellungskraft. Mit Licht wird im Dunkeln nicht gefahren, im besten Fall mal ne kurze Lichthupe aus dem Dunkel der Landstrasse, ueberholt wird
immer und ueberall und auch von allen Seiten. Was man an Licht spart, gleicht man mit Hupen wieder aus. Naja wir haben es ueberstanden, Spass macht es aber keinen, never ! In Kairo draengte sich
uns dann ein armer, alter Radfahrer auf, welcher uns nen Hotel gegen Bakschisch zeigen wollte. Okay, er also vorneweg, ohne Licht und entgegen allen Verkehrsregeln uns zu nem 5 Sterne Bunker
gelotst, das ging natuerlich nicht, also ihm die ganzen alten syrischen und jordanischen Muenzen gegeben und als er noch ganz verduzt auf die Muenzen schaute wieder mit Vollgas verschwunden. Dann
hielten wir an der naechsten Hauptstrasse ganz verzweifelt wieder die Karte in der Hand, als ein Pizzafahrer kam und uns gratis nen gutes 3 Sterne Hotel in der Naehe zeigte. Er war Lehrer, sprach
gut englisch und jobt nebenbei als Pizzafahrer, da er als Lehrer nicht genug verdient, naja waere er mal lieber zur Polizei gegangen ...
Den Tag darauf dann Kairo angeschaut, bei der deutschen Botschaft gewesen und zu den Pyramiden gefahren. Der freundliche Botschaftstmitarbeiter gab uns gute Tipps fuer den weiteren Reiseverlauf
und bestaetigte auch unseren Eindruck, dass hier sehr viele Leute, vor allem auch die mit Uniform nicht die allerhellsten sind, um es mal druckreif zu formulieren. Er meinte, man muss es wissen
und das wichtige gehabe und getue von einigen hier, einfach ignorieren. Es scheint wohl ein klein wenig wie in D. zu sein, dachte ich mir so ...
Die Pyramiden waren natuerlich nen Hightlight was man unbedingt mal sehen sollte, maechtig gross, mystisch und preiswert zu besichtigen, vor allem wenn man den dt. Personalausweis als
Lehrerausweis an der Kasse deklariert, worauf es nen Spezialpreis gibt ... Die koennen eh nur arabisch lesen.
Also alles angeschaut, abgeknipst und schoen easy mit dem Motorrad durchgetuckert, wir durften das, oder war es nen Irrtum / jedenfalls bremste uns keiner. Dann war es Zeit den Campingplatz aus
dem Lonely Planet Fuherer auszusuchen, wieder hatten wir nur die GPS Daten und mein Navi hat nur 4 Strassen fuer ganz Kairo, als musste wieder nach Kompass gefahren werden, wobei wir wieder mal
mitten in nem Slum landeten, wo dann auch noch die Strasse immer schmaler wurde. Irgendwann hoerte sie zwischen Menschenmassen ganz auf und wurde zu nem Trampelpfad wo rechts und links wieder mit
Muell zugeschuettete, stinkende Kanaele verliefen. Umdrehen wollte ich nicht, da ich das Gefuehl hatte, hinter uns formiert sich schon der Mob und man teilt bereits die Beute auf ... Dann hatten
wir auf dem schmalen Pfad, welcher ueber halb qualmenden Muell und verfaulten Essenresten entlanglief auch noch nen Eselkarren vor uns, den ich nicht ueberholen konnte, ohne die Yamse in den
schwarzen Tiefen des Kanals zu versenken. Als der Eseltreiber uns dann hinter sich hoerte sprang er von seinem Karren und trieb seinen armen Esel zu Hoechsttempo bis zum naechsten Abzweig. Gott
sei Dank, kam dann irgendwann wieder fester Grund unter die Reifen und wir fanden, mit ner kleinen Ehrenrunde und zweimal fragen den Campingplatz. Er lag gleich neben nem vermuellten, stinkendem
Wasserkanal und mehreren Hochhaeusern, derren Keller mit Wasser geflutet war. Das sind Zustaende hier, auch die Sanitaereinrichtung war erwartungsgemaess katasstrophal, aber egal, im Zelt gibts
zuminest keine Muecken, , Wasser und Kekse habe ich immer dabei und mit meinem geliebten Ohropax ist es ueberall ruhig ...
Da unser Hauptziel in Aegypten ja die Faehre von Assuan nach Wadi Halfa im Sudan ist, da dies der einzige Grenzuebergang in den Sudan ist muessen wir uns auf die Fahrzeiten dieser Faehre
einrichten. Somit hatten wir noch jede Menge Zeit ^ca. ne Woche^ und fuhren also nicht durch das Niltal 1200 Km herunter nach Assuan, sondern ca. 1500 Km durch die Lybisch Aegyptische Wueste um
dort in den grossen Oasen zu uebernachten.
Gesagt getan, es gibt genau eine Strasse durch dieses riesige Gebiet und das Auswaertige Amt warnt auch jetzt noch vor dem Befahren des Suedwesten von Aegypten. Aber ich fuehlte mich immer
sicher, da es jede Menge Militaercheckpoints gab und auch sonst, unterwegs eh kaum eine Menschenseele des Weges kam. Wir schliefen in vier verschiedenen Oasen ^ Bahriya, Fahrafah, Dakhla und
Baris ^ und es war immer wieder faszinierend, alle Leute freundlich und begeistert, ich trinke nun schon viel mehr Tee als Wasser und in Oase Nr. 2 musste bzw. durfte ich der halben Dorfjugend
die Motorraeder reparieren, da es hier selbst am einfachsten Werkzeug fehlt und ich eben auch hier nicht nein sagen kann.
Alle waren begeistert von dem Polo Steckschluesselsatz und ich haette ihn wohl fuer Unsummen verkaufen koennen, naechstes Mal weiss ich dass und nehm zehn Stueck mit... Die Tatsache dass durch
mein handeln nun wieder an drei Motorraeder mit 250 ccm die Bremsen funktionieren, zeigt, dass ich mich auch hier um die Erhoehung der Verkehrssicherheit kuemmere... Nachts um eins kam ich dann
mit oelverschmierten Haenden ins Zimmer, waehrend Biggi schon lange schlief. Da hat man schon mal nen Hotel und kann den kleinen Luxus nicht geniesen, da man bis frueh schraubt.
An diesem Tag sind wir auch durch den Nationalpark White Desert gefahren, echt schoen, heller, weisser Sand, bizarre Steinformen, Lavasche usw. ein Naturschauspiel ohne gleichen. War auch ne gute
Gelegenheit einige Kilometer auf weichen Sandpisten zu fahren, ich denke man kommt damit zurecht. Das Vorderrad macht dann eh was es will und hinten zieht alles hinterher.
In der anderen Oase war ich dann endlich mal wieder joggen und drei mal hielten dabei die Autos neben mir an ^ ich glaube mehr haben mich eh nicht ueberholt ... ^ und sagten bzw. zeigten mir, ich
solle einsteigen und brauch hier nicht rumzurennen...
In einer anderen Oase zeigte uns abends ein aelterer Lehrer seine Stadt, ich durfte ins Krankenhaus sogar ins Herzzentrum, was es alles gibt hier ... Er war irgendwie auch in der Politik und
recht wichtig hier, jeder kannte ihn und alle Tueren oeffenten sich ihm, leider war ich barfuss unterwegs, da ich nicht schnell genug an meine Turnschuhe kam, als wir losfuhren, naja mit
versandeten Fuessen ist auch noch nicht jeder durch die ITS in nem afrikanischem Krankenhaus gelaufen. Es ist hier wohl so, dass man jede Menge Schulen und Krankenhauser gebaut hat um diese Oasen
mit Menschen zu fuellen, die man aus den Stadten des Niltales weglocken moechte, alles ist hier billig bzw, vieles gratis fuer die Neuankoemmlinge. Abends machte ich dann noch paar Jungen
gluecklich indem wir ohne Helm usw. mit Vollgas unter der Anfeuerung des oertlichen Polizisten und des Hotelchefs mit meinem Motorrad die Hauptstrasse hin und herjagden ...
Gestern dann, sind wir wieder bei aergster Mittagshitze knapp 300 Km gefahren, kein Schatten, kein Baum, kein Haus nix ... Nur alle 60 oder 70 Km nen Militaercheckpoint, wo wir auch immer zum Tee
eingeladen werden. Gibt es auf der Welt ueberhaupt noch irgendwo eine kalte Stelle oder ne Regenwolke, also hier in der Gegend mit Sicherheit nicht.
Dazu kam dann auch noch nen schoener Sandsturm, wo ich zum ersten Mal bereute, keine Cross oder Skibrille dabeizuhaben ^ja Steffen, sag jetzt nix ... ^. Der Sand kam von ueberall und blieb
dann auch ueberall, dazu immer leicht in Schraeglage gegen den Wind gekippt fahren und am Hals war eine Stelle offen, dort fuehlte es sich immer wie Nadelstiche an.
Wir hielten dann gestern Abend in ner ganz kleinen Oase bei Baris an, verliesen dann die Strasse und nach etlichen Km Piste waren wir auf nem Dorfplatz gelandet wo einige Maenner beim Tee sassen.
Wir fragten nach nem Platz fuer die Zelte, dieser wurde uns aber nur dann geboten, wenn wir zuvor mit ihnen essen. Na super, also alles abgepackt, auf den Teppich und den Magen vollgestopft. Es
war wieder nen ganz toller Abend mit besonderen Menschen, wir bekamen die Plantagen gezeigt und konnten Orangen, Zuckerrohr und Zitronen von den Baeumen essen. Einer der Maenner, 30 Jahre, hoerte
dass wir beiden nur Reisefreunde sind und fuehlte sich dann darauf ermutigt, zu meiner grandiosen Belustigung und Biggis Verzweiflung, sie immer wieder anzugraben. Das setzte sich dann heute
frueh fort, als er fast in ihr Zelt gekrabbelt kam, und das wo sie noch keinen Kaffee und keine Zigaretten konsumiert hatte > boeser Fehler !!! Naja als sich die Wogen wieder geglaettet hatten
bekamen wir noch nen tolles Fruehstueck und machten uns dann aus dem Oasengebiet heraus, 300 Km in Richtung Niltal, Luxor. Dort sind wir heute in nem kleinen Hotel untergekommen, die Bikes durfte
ich wieder alle beide ueber ne dreistufige Treppe ins Hotel fahren. Und hier werden einem sogar die Sachen gewaschen, vielleicht wird da jetzt meine Motorradjacke und Hose wieder weich ...
So kurzes Fazit > sind nun schon 7500 Km gefahren, die Kette hinten sehnt sich nach nem Wechsel, die Reifen sehen noch gut aus, unser Material wird nach Ruecksprache in Anbetracht des noch
vertretbaren Zustandes der Verschleissteile nicht nach Kairo sondern in den Sudan nach Karthoum in die Hauptstadt geschickt, fuer nur nen ganz kleinen Aufpreis, Danke lieber ADAC !!! Mein
Fotoapparat ist wohl nen Opfer des Sandes geworden, er will nicht mehr, seit dem Sandsturm, schoener Mist, die ganzen Elektriksachen scheinen sich hier zu verabschieden.
Wir werden wohl die Tage jetzt noch zum roten Meer fahren und dann am Sonnabend in Assuan aufschlagen um dann bis Sonntag abend alles klar zu machen fuer den Gang auf die legendaere Faehre ueber
300 Km auf dem Nil nach Wadi Halfa im Sudan, oh jeh ... Mir graut jetzt schon irgendwie davor, es soll wohl immer wieder schlimm sein, die Buerokratie und die Faehre als solches.
Nun dann, gruss in die Heimat
Uebrigens wissen hier viele, dass ein Russlanddeutscher in Dresden die Aegypterin erstochen hat und nun der Prozess ist. Ich bemuehe mich immer zu erklaeren was ein normaler und ein
Russlanddeutscher ist, dass die oft gar kein deutsch verstehen, aber man sagt hier immer > Deutscher Pass also Deutscher !!! Naja ich darf dann hier den Aerger ausbaden ...