Dresden - Kapstadt per Motorrad

Mi

28

Okt

2009

Aegypten, einmal quer durch

Nach endlosen Tagen ohne Webcafe, habe ich nun mal wieder ein Internetcafe entdeckt.
Wir sind heute nach einer irrsinnigen Hitzeetappe bei 39 Grad im nie vorhandenen Schatten durch die Lybisch & Aegyptische Wueste ueber 300 Km nach Luxor am Nil gefahren. Hier ist wieder alles sehr touristisch, sowohl das allgemeine Angebot als leider auch die Preise. Naja es haelt sich aber immer noch in Grenzen.
Wir sind nun also vor ein paar Tagen den sogenannten Mosesberg bzw. Mount Sinai im Sinai hoch. Der ist 2300 m hoch und man darf ohne Fuehrer nur bis zu dem sog. St. Katherinenkloster. Mich und Biggi lockten aber die Hoehen des Berges, also wurden die 85 EGP investiert = 10 Euro und auf ging es. Der Fuehrer war nen Kopf kleiner wie ich, extrem duenn und hatte nichts ausser seine aegyptische Kutte bei sich. Aber er war fitt und fuehrte uns auf dem kuerzesten Treppenweg nach oben. Irgendwann, waehrend wir wieder auf Biggi warteten, meinte er, ich soll allein weiterlaufen, es gibt eh nur einen Weg nach oben. Also ging es speedmaessig nach oben weiter, damit mein Kreislauf endlich mal wieder in Schwung kommt. Oben bot sich ne grandiose Aussicht und man spuerte foermlich die Erhabenheit des Berges, an dem Moses durch Gott die 10 Gebote gezeigt wurden sein sollen. 
Bergab ging es den nen breiteren Touriweg herunter, auf dem dicke, weisse Touristen auf Kamelen und Eseln bis fast den ganzen Brg hinauf gebuckelt wurden, naja wer es schoen findet ...
Am naechsten fuhren wir dann aus dem Sinaigebirge heraus in Richtung des Roten Meeres bzw. dann weiter, bei extremen Gegenwind, zum Glueck bin ich doch nicht mit dem Rad gefahren, und irgendwann sahen wir dann links einen gewaltigen Stau. Nein nicht von Autos, sondern von Megaschiffen, die alle durch den Suezkanal einige Wochen Zeit sparen wollten. Es war wieder sehr beeindruckend fuer mich, wollte ich doch als Kind immer zur See fahren und nun die ganzen Schiffe auf einem Haufen ...
Dann endlich ging es durch nen Megatunnel unter dem Kanal durch, mit Faehre waere es auch gegangen, habe ich aber erst spaeter erfahren, Schade. 
Direkt an den Kanal heran kam man aber, ohne erschossen zu werden, dann nicht mehr, da die letzten 100 m bis zum Ufer auf der gesamten Kanalstrecke beidseitig von Militaer mit Stand MG gesichert waren. Die Jungs waren zwar locker drauf aber wehe man holte nen Fotoaparat raus oder wollte durch den Zaun, da wurden die Minen mit einem Schlag sehr finster. Daher konnte ich nur so aus der Huefte heraus paar Pics machen.
Da wir gut in der Zeit lagen, wollten wir nun gleich bis kurz vor Kairo fahren und dort irgendwo im Dreck schlafen. Leider ging das nicht, da ca. 70 Km vor Kairo nen endloser Betonzaun stand und alles Militaergelaende war, auf der Karte war davon nix zu sehen, logisch. Also dann doch noch rein nach Kairo. Obwohl man ja schon gewarnt war von dem Verkehrsverhalten der dortigen Fahrzeugfuehrer, sprengte es wieder einmal alle Vorstellungskraft. Mit Licht wird im Dunkeln nicht gefahren, im besten Fall mal ne kurze Lichthupe aus dem Dunkel der Landstrasse, ueberholt wird immer und ueberall und auch von allen Seiten. Was man an Licht spart, gleicht man mit Hupen wieder aus. Naja wir haben es ueberstanden, Spass macht es aber keinen, never ! In Kairo draengte sich uns dann ein armer, alter Radfahrer auf, welcher uns nen Hotel gegen Bakschisch zeigen wollte. Okay, er also vorneweg, ohne Licht und entgegen allen Verkehrsregeln uns zu nem 5 Sterne Bunker gelotst, das ging natuerlich nicht, also ihm die ganzen alten syrischen und jordanischen Muenzen gegeben und als er noch ganz verduzt auf die Muenzen schaute wieder mit Vollgas verschwunden. Dann hielten wir an der naechsten Hauptstrasse ganz verzweifelt wieder die Karte in der Hand, als ein Pizzafahrer kam und uns gratis nen gutes 3 Sterne Hotel in der Naehe zeigte. Er war Lehrer, sprach gut englisch und jobt nebenbei als Pizzafahrer, da er als Lehrer nicht genug verdient, naja waere er mal lieber zur Polizei gegangen ...
Den Tag darauf dann Kairo angeschaut, bei der deutschen Botschaft gewesen und zu den Pyramiden gefahren. Der freundliche Botschaftstmitarbeiter gab uns gute Tipps fuer den weiteren Reiseverlauf und bestaetigte auch unseren Eindruck, dass hier sehr viele Leute, vor allem auch die mit Uniform nicht die allerhellsten sind, um es mal druckreif zu formulieren. Er meinte, man muss es wissen und das wichtige gehabe und getue von einigen hier, einfach ignorieren. Es scheint wohl ein klein wenig wie in D. zu sein, dachte ich mir so ...
Die Pyramiden waren natuerlich nen Hightlight was man unbedingt mal sehen sollte, maechtig gross, mystisch und preiswert zu besichtigen, vor allem wenn man den dt. Personalausweis als Lehrerausweis an der Kasse deklariert, worauf es nen Spezialpreis gibt ... Die koennen eh nur arabisch lesen.
Also alles angeschaut, abgeknipst und schoen easy mit dem Motorrad durchgetuckert, wir durften das, oder war es nen Irrtum / jedenfalls bremste uns keiner. Dann war es Zeit den Campingplatz aus dem Lonely Planet Fuherer auszusuchen, wieder hatten wir nur die GPS Daten und mein Navi hat nur 4 Strassen fuer ganz Kairo, als musste wieder nach Kompass gefahren werden, wobei wir wieder mal mitten in nem Slum landeten, wo dann auch noch die Strasse immer schmaler wurde. Irgendwann hoerte sie zwischen Menschenmassen ganz auf und wurde zu nem Trampelpfad wo rechts und links wieder mit Muell zugeschuettete, stinkende Kanaele verliefen. Umdrehen wollte ich nicht, da ich das Gefuehl hatte, hinter uns formiert sich schon der Mob und man teilt bereits die Beute auf ... Dann hatten wir auf dem schmalen Pfad, welcher ueber halb qualmenden Muell und verfaulten Essenresten entlanglief auch noch nen Eselkarren vor uns, den ich nicht ueberholen konnte, ohne die Yamse in den schwarzen Tiefen des Kanals zu versenken. Als der Eseltreiber uns dann hinter sich hoerte sprang er von seinem Karren und trieb seinen armen Esel zu Hoechsttempo bis zum naechsten Abzweig. Gott sei Dank, kam dann irgendwann wieder fester Grund unter die Reifen und wir fanden, mit ner kleinen Ehrenrunde und zweimal fragen den Campingplatz. Er lag gleich neben nem vermuellten, stinkendem Wasserkanal und mehreren Hochhaeusern, derren Keller mit Wasser geflutet war. Das sind Zustaende hier, auch die Sanitaereinrichtung war erwartungsgemaess katasstrophal, aber egal, im Zelt gibts zuminest keine Muecken, , Wasser und Kekse habe ich immer dabei und mit meinem geliebten Ohropax ist es ueberall ruhig ...
Da unser Hauptziel in Aegypten ja die Faehre von Assuan nach Wadi Halfa im Sudan ist, da dies der einzige Grenzuebergang in den Sudan ist muessen wir uns auf die Fahrzeiten dieser Faehre einrichten. Somit hatten wir noch jede Menge Zeit ^ca. ne Woche^ und fuhren also nicht durch das Niltal 1200 Km herunter nach Assuan, sondern ca. 1500 Km durch die Lybisch Aegyptische Wueste um dort in den grossen Oasen zu uebernachten.
Gesagt getan, es gibt genau eine Strasse durch dieses riesige Gebiet und das Auswaertige Amt warnt auch jetzt noch vor dem Befahren des Suedwesten von Aegypten. Aber ich fuehlte mich immer sicher, da es jede Menge Militaercheckpoints gab und auch sonst, unterwegs eh kaum eine Menschenseele des Weges kam. Wir schliefen in vier verschiedenen Oasen ^ Bahriya, Fahrafah, Dakhla und Baris ^ und es war immer wieder faszinierend, alle Leute freundlich und begeistert, ich trinke nun schon viel mehr Tee als Wasser und in Oase Nr. 2 musste bzw. durfte ich der halben Dorfjugend die Motorraeder reparieren, da es hier selbst am einfachsten Werkzeug fehlt und ich eben auch hier nicht nein sagen kann.
Alle waren begeistert von dem Polo Steckschluesselsatz und ich haette ihn wohl fuer Unsummen verkaufen koennen, naechstes Mal weiss ich dass und nehm zehn Stueck mit... Die Tatsache dass durch mein handeln nun wieder an drei Motorraeder mit 250 ccm die Bremsen funktionieren, zeigt, dass ich mich auch hier um die Erhoehung der Verkehrssicherheit kuemmere... Nachts um eins kam ich dann mit oelverschmierten Haenden ins Zimmer, waehrend Biggi schon lange schlief. Da hat man schon mal nen Hotel und kann den kleinen Luxus nicht geniesen, da man bis frueh schraubt.
An diesem Tag sind wir auch durch den Nationalpark White Desert gefahren, echt schoen, heller, weisser Sand, bizarre Steinformen, Lavasche usw. ein Naturschauspiel ohne gleichen. War auch ne gute Gelegenheit einige Kilometer auf weichen Sandpisten zu fahren, ich denke man kommt damit zurecht. Das Vorderrad macht dann eh was es will und hinten zieht alles hinterher.
In der anderen Oase war ich dann endlich mal wieder joggen und drei mal hielten dabei die Autos neben mir an ^ ich glaube mehr haben mich eh nicht ueberholt ... ^ und sagten bzw. zeigten mir, ich solle einsteigen und brauch hier nicht rumzurennen...
In einer anderen Oase zeigte uns abends ein aelterer Lehrer seine Stadt, ich durfte ins Krankenhaus sogar ins Herzzentrum, was es alles gibt hier ... Er war irgendwie auch in der Politik und recht wichtig hier, jeder kannte ihn und alle Tueren oeffenten sich ihm, leider war ich barfuss unterwegs, da ich nicht schnell genug an meine Turnschuhe kam, als wir losfuhren, naja mit versandeten Fuessen ist auch noch nicht jeder durch die ITS in nem afrikanischem Krankenhaus gelaufen. Es ist hier wohl so, dass man jede Menge Schulen und Krankenhauser gebaut hat um diese Oasen mit Menschen zu fuellen, die man aus den Stadten des Niltales weglocken moechte, alles ist hier billig bzw, vieles gratis fuer die Neuankoemmlinge. Abends machte ich dann noch paar Jungen gluecklich indem wir ohne Helm usw. mit Vollgas unter der Anfeuerung des oertlichen Polizisten und des Hotelchefs mit meinem Motorrad die Hauptstrasse hin und herjagden ...
Gestern dann, sind wir wieder bei aergster Mittagshitze knapp 300 Km gefahren, kein Schatten, kein Baum, kein Haus nix ... Nur alle 60 oder 70 Km nen Militaercheckpoint, wo wir auch immer zum Tee eingeladen werden. Gibt es auf der Welt ueberhaupt noch irgendwo eine kalte Stelle oder ne Regenwolke, also hier in der Gegend mit Sicherheit nicht.
Dazu kam dann auch noch nen schoener Sandsturm, wo ich zum ersten Mal bereute, keine Cross oder Skibrille dabeizuhaben  ^ja Steffen, sag jetzt nix ... ^. Der Sand kam von ueberall und blieb dann auch ueberall, dazu immer leicht in Schraeglage gegen den Wind gekippt fahren und am Hals war eine Stelle offen, dort fuehlte es sich immer wie Nadelstiche an.
Wir hielten dann gestern Abend in ner ganz kleinen Oase bei Baris an, verliesen dann die Strasse und nach etlichen Km Piste waren wir auf nem Dorfplatz gelandet wo einige Maenner beim Tee sassen. Wir fragten nach nem Platz fuer die Zelte, dieser wurde uns aber nur dann geboten, wenn wir zuvor mit ihnen essen. Na super, also alles abgepackt, auf den Teppich und den Magen vollgestopft. Es war wieder nen ganz toller Abend mit besonderen Menschen, wir bekamen die Plantagen gezeigt und konnten Orangen, Zuckerrohr und Zitronen von den Baeumen essen. Einer der Maenner, 30 Jahre, hoerte dass wir beiden nur Reisefreunde sind und fuehlte sich dann darauf ermutigt, zu meiner grandiosen Belustigung und Biggis Verzweiflung, sie immer wieder anzugraben. Das setzte sich dann heute frueh fort, als er fast in ihr Zelt gekrabbelt kam, und das wo sie noch keinen Kaffee und keine Zigaretten konsumiert hatte > boeser Fehler !!! Naja als sich die Wogen wieder geglaettet hatten bekamen wir noch nen tolles Fruehstueck und machten uns dann aus dem Oasengebiet heraus, 300 Km in Richtung Niltal, Luxor. Dort sind wir heute in nem kleinen Hotel untergekommen, die Bikes durfte ich wieder alle beide ueber ne dreistufige Treppe ins Hotel fahren. Und hier werden einem sogar die Sachen gewaschen, vielleicht wird da jetzt meine Motorradjacke und Hose wieder weich ...

So kurzes Fazit > sind nun schon 7500 Km gefahren, die Kette hinten sehnt sich nach nem Wechsel, die Reifen sehen noch gut aus, unser Material wird nach Ruecksprache in Anbetracht des noch vertretbaren Zustandes der Verschleissteile nicht nach Kairo sondern in den Sudan nach Karthoum in die Hauptstadt geschickt, fuer nur nen ganz kleinen Aufpreis, Danke lieber ADAC !!! Mein Fotoapparat ist wohl nen Opfer des Sandes geworden, er will nicht mehr, seit dem Sandsturm, schoener Mist, die ganzen Elektriksachen scheinen sich hier zu verabschieden.
Wir werden wohl die Tage jetzt noch zum roten Meer fahren und dann am Sonnabend in Assuan aufschlagen um dann bis Sonntag abend alles klar zu machen fuer den Gang auf die legendaere Faehre ueber 300 Km auf dem Nil nach Wadi Halfa im Sudan, oh jeh ... Mir graut jetzt schon irgendwie davor, es soll wohl immer wieder schlimm sein, die Buerokratie und die Faehre als solches.

Nun dann, gruss in die Heimat

Uebrigens wissen hier viele, dass ein Russlanddeutscher in Dresden die Aegypterin erstochen hat und nun der Prozess ist. Ich bemuehe mich immer zu erklaeren was ein normaler und ein Russlanddeutscher ist, dass die oft gar kein deutsch verstehen, aber man sagt hier immer > Deutscher Pass also Deutscher !!! Naja ich darf dann hier den Aerger ausbaden ...

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9 Kommentare

  • #1

    silvio (Mittwoch, 28 Oktober 2009 21:10)

    Respekt. Abenteuer live, viel Spass im Sand ... es ist sehr spannend zu lesen ! Gute Fahrt.

  • #2

    Stephan Küppers (Mittwoch, 28 Oktober 2009 21:30)

    Hallo ihr beiden! Schön das es euch gut geht und ihr schon einmal die Vorhut für mich macht. Dann kann ich ein bisschen daraus lernen. 7.500km habe ich jetzt auch auf der Uhr, bin aber immer noch in der Türkei. In 2 Tagen geht es nach Syrien. Hoffentlich wird es dann wieder wärmer (Regen, Gewitter, Hagel). Weiterhin viel Spaß und gutes durchkommen.

    Grüße aus Van am Van See

    Stephan

  • #3

    Sven F. (Donnerstag, 29 Oktober 2009 02:41)

    Grüß Dich alter Metaller...
    Das mit der Reise hätte Dein Bruder mal eher sagen können, da wären jetzt noch Aufnäher von der F in Deinem Gepäck. Vielleicht kannste ja trotzdem noch was abstauben. Naja, was hätte, könn, usw. Viel Spaß noch bei Euren Trip, der Jens hätt mit Dir was ähnliches auf dem Rad unternommen, glaub mir.

  • #4

    steffen (Donnerstag, 29 Oktober 2009 09:33)

    ;o) tja, aber ein sandsturm macht auch mit der Crossbrille keinen Spass... viel Spass und "weitermachen"

  • #5

    triemser (Donnerstag, 29 Oktober 2009 10:09)

    ...na da wünsche ich Euch starke Nerven und ´n dickes Fell für den nächsten Grenzübertritt...übrigens, bei uns zeigt der Herbst sein bestes "mieses Wetter" - viel Spass und ein "kühles Köpfchen" Euch Beiden...

  • #6

    Biggi (Donnerstag, 29 Oktober 2009 16:38)

    Thomas kann manchmal ganz fies sein!
    Er berichtet und zeigt hier die peinlichsten Sachen und Pannenbilder, die eigentlich gar nicht zur Veroeffentlichung freigegeben und genehmigt sind!
    Rache folgt, liebe Gruesse an alle, Biggi!

  • #7

    Luhni (Sonntag, 01 November 2009 00:00)

    Herrlich!!!

  • #8

    Vicki (Dienstag, 03 November 2009 18:10)

    Hallo Thomas...schön das es dir gut geht und du viel Spaß hast.Werde weiter deine Ziele verfolgen. Bis bald und ganz liebe Grüße aus der Heimat :-) vic

  • #9

    Andybandi (Mittwoch, 04 November 2009 11:05)

    Hi Thomas! Klasse das alles glatt läuft, immer wieder schön Deine Berichte zu lesen.....:-)
    Bei mir und Anja gibt es eigentlich nichts neues, noch paar Tage arbeiten u. dann endlich Urlaub jeep, hab mich heute an der BAK Bildungsakademie in Frankfurt angemeldet, für die Fachrichtung pflegefachlicher Gutachter beworben... der Lehrgang beginnt im Mai zwei mal wöchentlich abends....1 Jahr, das wäre dann mein 3. Beruf...:-)
    Mensch, hast Du schon gelesen Vicki hat Dir liebe Grüße gesendet...:-) das waren noch Zeiten, der alter BMW ÖLwanne, die Party bei dir zu Hause... die Nacht einfach unvergesslich...:-)
    Gute Fahrt weiterhin, bis bald Andi und Anja(Hessen)

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Mi

10

Mär

2010

Wieder daheim : Frost, Kälte, Dunkelheit ...

So, nachdem ich meine tschechischen Freunde Ende Januar mit nem rechtsgelenkten Japaner ( oh Gott ! ) zum Flughafen gefahren hatte und herzlich verabschiedete, kümmerte ich mich dann um den ganzen Zoll- und Verladekram für die bereits in drei großen Holzkisten verpackten Motorräder. Insgesamt hatte ich neun Tage Zeit, bis mein Flieger gen Germny fliegen sollte. Sportler wie ich bin, wurde die Zeit natürlich sinnvoll ( nach meinen bescheidenen Maßstäben ) genutzt und mit nem recht schweren Leihrennrad ging es fast jeden Tag, neben dem Weg zur Spedition und dem Zollamt, in alle Himmelsrichtungen ( okay, außer Westen, denn da war der Atlantik ). Nach über 1000 Km und mit den besten Trainingsstreifen sowie dem schlimmsten Sonnenbrand den ich je hatte, gab ich es dann schweren Herzens am 4.02.10 wieder bei Cycleteknic Tableview ab und nen Tag später wurde ich durch Raum und Zeit gebeamt ... Nach unglaublich kurzen ( in Anbetracht des ungleich längeren Hinweges ) 11 Stunden Flug bis München, 1,5 h Flug bis Berlin und dann nochmal 2 h Zug bis Dresden wurde ich gegen Mitternacht bei Frost am Dresdner Hauptbahnhof freudig von Freundin, Famile und einigen Freunden empfangen - Dank auf diesem Weg an alle die da waren und danke Anja für die langen Hosen sowie der dicken Jacke ...

Nach einer Woche Urlaub mit meiner Freundin ging es dann am 13.02.10 gleich wieder auf Arbeit recht doll zur Sache - links, mitte und rechts demonstriert, blockiert und ( manchmal auch randaliert ) in Dresden und wir mitten drin.

Vor lauter Erzählen von meiner Reise komme ich auf Arbeit ständig in Zeitnot und nun wurde angeregt, einen größeren Vortrag für alle Kollegen welche es interessiert durchzuführen.

Weil mich immer alle Fragen, wieviel denn alles gekostet hat, hier eine kleine Auflistung : 

die Kosten im Vorfeld ( Ausrüstung, Impfungen, Visa etc. ) waren ca. 1000 Euro plus Zeit und Nerve,

die Kreditkarten- sowie EC-Cardabrechnung ergab : 5400 Euro allein unterwegs, plus 370 Euro Rückflug plus Bahn, 600 Euro Motorradtransport mit Schiff bis Prag

macht also 6400 Euro, plus 1000 Euro welche in die Yamse gesteckt werden müssen, sowie 1500 Euro Wertverlust, 350 Euro für diverse Krankenversichungen.

das ganze dann durch 120 Tage macht : 53 Euro am Tag, jeder einfache Türkeiurlaub dürfte also ( pro Tag ) wesentlich teurer sein.

Davon entfallen im Einzelnen :

gefahren Strecke : 25312 Km, Verbrauch 4,38 Liter/100 Km = 1108 Liter, Preis im Schnitt 80 cent = rund 900 Euro für Sprit

für diverse Visa an der Grenze ca. 300 Euro, allein die Einreise mit allem Papieren nach Ägypten 180 Euro, Internet und Telefonie zus. ca. 250 Euro, diverse Nationalparks ca. 500 Euro, neuer Fotoapparat in Luxor 120 Euro, Mietmotorräder in Sansibar 3 Tage für zus. 50 Euro, Fähre nach Sansibar 40 Euro, 1000 Euro wurden allein in Südafrika ausgegeben - ist halt fast wie Europa dort, die Zahl der Hotelübernachtungen war in Europa recht hoch und ging dann ab Sudan gegen null, dafür immer mehr kostenloses Outdoorcampen.

Die längste Tagesetappe : Tag eins 400 Km mit dem Auto nach Berlin um das Sudanvisa persönlich abzuholen, dann mit dem Motorrad exakt 500 Km Autobahn durch CZ nach SK Bratislava - sowie irgendwo in Äthiopien genau 8 h ( reine Fahrzeit ) ist das Motorrad gerollt über 400 Km, fast alles elende Piste.

Die schwerste Etappe : Fahrt über die Grenze von Tansania nach Mosambik, viel Tiefsand, Sonne im Zenit, nix gescheites zu Essen ...

Die höchste Temperatur : 49 Grad im Schatten, Wüstenstrasse / Piste im Ostsudan

Die tiefste Temperatur : 0 Grad auf 3600 m Höhe in Ähtiopien Simmien Mountains ( und mir ging es echt elend )

Das beste Essen : Forraskut Südostungarn, ich habe das letzte Drittel nicht geschafft - unglaublich, dort muss ich wieder mal hin !!

Das schlechteste : "Huhn" am Äquator in Kenia - was war das denn wirklich ?

Die nettesten Leute : Araber ( in Syrien, Jordanien, Sudan ), sowie in Ungarn, Türkei, und die weissen in Südafrika ( ja Peter ich weiss ... )

Die unangenehmsten : ( jetzt bekomme ich wieder Ärger von dem Peter ) teilweise Ägypten ( Touristengegenden ), Tansania ( speziell Daressalam ), Äthiopien ( nicht auf dem Lande ) - naja man wird eben oft abgezogen, reingelegt und betrogen sowie permanent angebettel. Aber genauso oft gibt es auch postive Erlebnisse. Ich habe mich oft gefragt, was denn wohl vor 100 Jahren war, als noch keine Hilfslieferungen nach Afrika kamen ( wie haben die Völker dann dort überlebt ?) und zu welchem Zweck werden die eigentlich gemacht - denn die Leute gewöhnen sich daran und oft gibt es heftige Auseinandersetzungen um die Hilfslieferungen ? Wem hilft es, wenn wir tonnenweise getragen Sachen nach Afrika "spenden" ( um mal das wegwerfen in den Kleidersammler so zu nennen ), dann daran einige wenige gewaltig verdienen und zuletzt die heimische Bekleidungsindustrie keine Chance hat, sich zu entwickeln. Die fettesten Autos und Leute waren übrigens oftmals die Fahrzeuge und Mitarbeiter - oder soll ich Absahner schreiben -  diverser Hilfsorganisationen, dies mal nur am Rande.

Nun Gut, das auch mir eigene Gefühl für Demut und Dankbarkeit - und dies habe ich ohne Zweifel auch überdurchschnittlich und bin mit wenigen Dingen glücklich und nicht materiell eingestellt ( Autos, Luxus, Komfort sind mir echt voll egal, z.B. heute früh wieder bei minus 12 Grad 12 Km mit dem Rad auf Arbeit gefahren ... das gabs in Afrika so nicht ) - ja Gefühl für Demut und Dankbarkeit geht dann leider nach einigen Wochen des Daueranbettelns bei 40 Grad im Schatten leicht verloren, trotzdem habe ich nie vergessen, dass nur ganz wenige Menschen weltweit die Möglichkeit haben, Reisen wie diese zu realisieren. Und leider hatte ich nur 2 x 40 Liter Alukoffer ( die Kritiker sollen erstmal damit auf nem Motorrad unter diesen Bedingungen durch die Welt fahren ) mit und keinen 40 Tonner mit Hilfsgütern. Bis Tansania hatte ich mir im Tagebuch - nett und hilfbereit wie ich ja eigentlich immer bin - diverse Adressen von Leuten notiert, denen ich dann von D aus diverse Sachen schicken wollte, da wir bei Ihnen schlafen konnten oder diese uns sonstwie positiv aufgefallen waren. Leider wurde mir dies dann auch alles gestohlen - nochmal herzlichen Dank dafür an den xxx Täter. Auch kaufte ich oft in Städten mehr essen als nötig um es dann auf dem Lande den Kindern zu verschenken, aber der Effekt ist sicher gleich null - von daher sinnlos. Es beruhigt wohl nur das schlechte Gewissen.

Nun ja man könnte ewig darüber philosophieren, es wäre auch echt nett, wenn meine "Kritiker" - welche nur über die Kommentarleiste schreiben, mir mal persönlich schreiben würden.

 

Letzten Freitag habe ich die Yamaha aus Prag geholt. Es gab ein Wiedersehen mit meinen CZ Freunden und da das Wetter so extrem winterlich war ( minus 8 Grad und Schneesturm ) musste die letzte Fahrt der Yamse ins deutsche Heimatland mit dem Hänger vom Polo-Shop erfolgen.

 

Ich denke dies war der letzte Eintrag auf meiner Seite, ich danke allen Lesern, meiner Freundin Anja fürs durchhalten ohne mich, Birgit meiner Reisepartnerin bis Daressalam ( ich hatte und habe immer Respekt vor ihrer Leistung als Frau ... ), meinen CZ Freunden Radek, David sowie später dann noch Silva der Freundin vom Radek, dem Freistaat Sachsen weil nicht in allen Berufen Reisen wie diese möglich sind, dem Hersteller Yamaha für den Bau eines absoluten Adventure Reisebikes, meinen Eltern dafür dass ich so bin wie ich bin, der Mopo DD für den Bericht, meinem Schutzengel, der Fa. Held und Salewa - top Ware, keine Frage !, Roland Kaiser - dessen Lieder hörte ich oft abends im MP3 Player - es war der Klang der Heimat, sowie stellvertretend für hunderte nette Kontakte wenigstens aus jedem Land einen oder zwei : der freundliche Tankstellenmitarbeiter in Bratislava der mit den Weg zum Hostel zeigte, der LKW Fahrer mit der Landkarte in HU; die netten Polizeibeamten in Rumänien auf der Suche nach dem Hotel, den jungen Leuten aus dem alten fünfer BMW welche uns in Bulgarien ( Vidin ) den Weg zum Hotel zeigten, die Tankstellenbetreiberin in GR wo wie schlafen durften, dem netten Motorradpolizisten in Bolu TR, dem Hotelchef in Alleppo SYR, unserer Gastgeberfamilie bei Amman JOR, der Lehrer in New Valley und der Hotelmanager in Assuan Ägypten, dem Busfahrer in der sudanischen Wüste bei meinem Platten, dem Scout in den Simmien Mountains, ein zäher Hund !! Ähtiopien, der Lodgebetreiber am Fuße des Mt. Kenia  - danke für den tollen Preis nach Biggis Vorarbeit; dem netten Pfarrer aus Leipzig in Tansania, dem Enduroverleih für den Toppreis in Sansibar, der Mitarbeiterin im Fahrzeugteilehandel bei Pemba Mosambik - vier Seiten nur über mich geschrieben - unfassbar, Brad aus Kapstadt für die Hilfe in Simbabwe im Nationalpark - Zufälle gibts ..., und in Südafrika Dank an Yamaha Durban, dem Lemontree Backpacker - ganz verrückte Jungs und Schicksale sowie den Erbauern des Chapmans Peak, wo ich mit dem Rennrad mehrfach darübergebügelt bin und nun bald auch Lance Armstrong dies tun wird.

 

Das wars !! Auf ein neues Abenteuer irgendwann, erstmal haben mich andere Aufgaben und Verpflichtungen fest im Griff ...

 

Es war schön, jederzeit wieder.

 

Thomas Kiraly

 

 

 

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